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Songtexte und Gedichte von T. Paul Fischer

Tragödie der Gegenwart
Text: G.Lehmann & T.Paul Fischer, Musik: T.Paul Fischer = sicpaul ©November 1977

Tür an Tür und hoch hinaus
Baut man heute Haus für Haus,
Wälder werden gerodet, denn man braucht den Raum.

Menschen sitzen einsam im Zimmer
Isolation wird täglich schlimmer:
Keiner kennt den and'ren und es stört sie kaum.

Und so wird nun ungeniert
Jeder Flecken betoniert,
Wo früher Dachs und Fuchs gelauert
Werden Ghettos hochgemauert,
Tiere sterben aus, kaum ein Vogel singt mehr.

Kinder spielen auf dem Asphalt,
Wo soll'n sie auch hingehen?
Freie Wiesen? Nicht zu sehen!
Mensch, wach' doch endlich auf!
Rentner sitzen vor der Glotze,
So verbringen sie ihre Zeit,
Kein Weg aus der Einsamkeit,
Mensch, wach' doch endlich auf!

Der Waldfraß lässt sich kaum noch schildern
Kinder kennen Tiere nur noch von Bildern,
Mensch, was ist geschehen, deine Welt ist tot.

Wo früher waren Auen und Seen,
Sieht man heut' Appartements stehen
Und ein schmutzig' Smoggrau verdeckt jedes Morgenrot.

Zaghaft reift Erkenntnis jetzt,
Natur ward zu gering geschätzt,
Doch Einsicht hat wohl kaum begonnen ,
Hätt' man sich bloß früher besonnen,
Der Mensch mit seinem Fortschritt, er zerstört sich selbst!

Kinder spielen auf dem Asphalt,
Wo soll'n sie auch hingehen?
Freie Wiesen? Nicht zu sehen!
Mensch, wach' doch endlich auf!
Rentner sitzen vor der Glotze,
So verbringen sie ihre Zeit
Kein Weg aus der Einsamkeit.
Mensch, wach' doch endlich auf!


Änderungen

Die Urversion wiederholte das Strophenthema dreimal, was mir musikalisch doch allzu langweilig erschien. Die ursprünglich von Gerd getexteten dritten Teile lauteten: 1. Und so wird nun alles vermauert, wo früher noch der Fuchs gelauert, Tiere sterben aus, kaum ein Vogel singt mehr. und 2. Doch zu spät ist die Einsicht gekommen, hätt' man sich bloß früher besonnen, der Mensch mit seinem Fortschritt, er zerstört sich selbst! Diese habe ich durch die beiden jetzigen Fünfzeiler ersetzt. Auch den Refrain änderte ich im ersten Teil von ehemals Kinder stehen auf der Straße, und was sollen sie machen, soll'n sie weinen, soll'n sie lachen? Mensch,... zur aktuellen Form.

Hörprobe

TPF_im_MauerparkWasserrohr


Mit einer Pilotspur aus (Software-) Orgel und -Mellotron zum Festlegen der Harmonien spielte ich im März 2020 zuerst die beiden Gitarrenspuren, bevor ich den Rhythmus pro­gram­mierte und in Alt- und Sopran­block­flöten pustete. Zuletzt nahm ich die beiden Spuren meines Gesangs auf.

Kommentar

Norderstedt, 1970 aus den Gemeinden Garstedt, Harksheide, Glashütte und Friedrichsgabe hervorgegangen, hatte im Zentrum anfangs noch große Brach- und Waldflächen, auf denen sich nach Stadtgründung rege Bautätigkeit breit machte. Vormals im Nichts hatten sich auf einem Areal Aussteiger und andere Freaks angesiedelt. In diesem "Reservat Homo Sapiens" etablierte sich ein jährliches Musikfestival, das ich mir nicht entgehen ließ. So sah ich, dass auch dort die Neubauten vom neu entstehenden Norderstedt-Mitte immer präsenter wurden, was mir den Stoff zu meiner frischen Musikidee lieferte. Im Texten noch ungeübt, spielte ich die Fragmente meinem Freund Gerd vor, der sogleich die offenen Stellen verbal auffüllte. So hatten wir unseren zweiten gemein­samen Song im Repertoire.
Ich merkte bei Auf­führungen recht bald, dass der Song nicht der Knaller war. Also kam es schon früh zu Abän­derungen, aber auch die konnten da nicht wirklich helfen. Daher kam "Tragödie der Gegenwart" schon ganz früh nicht mehr in meinem Solo-Programm vor und wurde hier nur der Voll­stän­dig­keit halber reanimiert.

Akkorde

74 BPM

Strophen:
||:C - a - d, d,F - C, G,G7:||
B,F, C,d - F,C, a,G - d,F, C, G

Refrain:
||:C, E - d, a - d, a - F, C, G,G7:||

©2015-2020, sicpaul alias T.P.Fischer