Sie sind hier:   Songs & Texte > Nach der Straßenmusikerzeit > nach 2000 > Pillenmuffel (#78)

Songtexte und Gedichte von T. Paul Fischer

Verloren für die Pharamaindustrie (Pillenmuffel)
Text & Musik ©November 2014/2019: T.Paul Fischer = sicpaul

Ich wachte heute auf   und mir ging es richtig gut,
Verdächtig war die Sache aber schon,
Kein Schmerz, kein Zipperlein,   kein Hochdruck im Blut,
Nicht einmal eine kleine Depression.

Ja, da sollt' ich mich doch freuen,   dachte ich zuerst,
Aber irgendetwas passte da nicht ganz:
Keine Pillen, die du schluckst,   kein Arzt zu dem du fährst,
Das ist kein guter Grund für 'nen Freudentanz.

Denn ich bin heut' verloren für die Pharmaindustrie,
Kein einz'ger müder Rubel, der jetzt rollt.
So bin ich nicht erkohren zum guten Erdensohn,
Hab meinen Obulus heut nicht gezollt!

Mir geht es heute gut,   für andre ist das schlecht,
Das Gesundheitswesen kriegt kein Geld mehr rein,
Was ich so privat spare,   sich an andrer Stelle rächt,
Der Pharma-Umsatz bricht ganz langsam ein.

Leute werden entlassen,   die Forschung reduziert,
Die Unternehmen schliessen Schritt für Schritt.
Apotheken werden rar,   der Arzneipreis explodiert,
Das Gesundheitssystem kommt ganz aus dem Tritt.

Denn bin ich heut verloren für die Pharmaindustrie,
Bin ich ein Teil von deren Untergang
Denn bin ich so unverfrohren, dass es mir (so sehr) gut geht,
Wird mir um deren Zukunft Angst und Bang!

...Angst und Bang .... ich sorg mich um ... die Zukunkft der Pharma-Industrie...

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie ihren Arzt oder Apotheker,
die MTA, den Therapeuten, am besten noch 'nen Pharma-Lobbyist'n.
Denn Risiken und Nebenwirkungen tagen ihr Arzt oder Apotheker,
die MTA, das Pharmawesen und in letzter Konsequenz dann wohl auch ich!

Nun bin ich auf der Suche,   wie ich noch nützlich werden könnt',
Hab da 'nen kleinen Unfall schon im Sinn:
Ein Bruch oder 'ne Zerrung,   ein Finger abgetrennt,
Doch mit voller Absicht krieg ich das nicht hin.

Auch beim Basteln in der Wohnung   hab ich zu sehr aufgepasst,
Eigentlich ein Top-Unfallgrund,
Nicht mal ein kleiner Schnitt   zum Kauf von Hansaplast,
Ich bin heut einfach viel zu gesund.

Darum bin ich heut verloren für die Pharmaindustrie,
Kein einz'ger Cent verlässt das Portemonaie
Ich schade nur mir selber, denn ich schade dem System,
Wenn ich nicht bald zu einem Doktor geh!

So komme ich zum Schluss,   dass mein Gesundsein mir missfällt
Da bleibt die Medizin zu lang im Schrank,
Denn wo soll das alles enden,   wenn sich ein jeder so verhält?
Gesund zu sein, das macht die Wirtschaft krank!

Ja, noch bin ich verloren für die Pharmaindustrie,
Kein einz'ger müder Rubel der heut rollt,
Doch so ganz ungeschoren bleib ich dabei nie:
Nutzlos glücklich zu leben, das ist hier nicht gewollt!

Ja, so gänzlich verloren für die Pharmaindustrie
Durch nutzloses Glück im Leben, das ist nicht gewollt!


Änderungen
Der Teil mit den Risiken und Nebenwirkungen war schon beim Texten geplant, ist aber erst 2019 bei der Erstaufnahme konkret ausformuliert worden. Dabei kamen auch die letzten beiden Zeilen hinzu.

Hörprobe

TPF 2014 in Bremen

Gestartet habe ich diese erste Aufnahme-Session im November 2019 mit einem Shaker-Loop als rhythmische Orientierung und einer Pilotspur Akustik-Gitarre mit grobem Gesang. Diese tauschte ich gegen zwei unter­schied­liche Spuren E-Gitarre und zweimaliges Singen der Hauptstimme, bevor ich die Drums pro­gram­mierte. Es folgten die Keyboard-Passagen (Mellotron und Synthesizer-Chor) und die beiden hohen, bisweilen hart an meine tonale Obergrenze reichenden Zusatzstimmen, die gemeinsam den Chor-Background liefern. Zuletzt traktierte ich meinen 5-saitigen Bass mit dem Plektrum und füllte das Zwischenspiel mit der 12-saitigen E-Klampfe.

Version B25, Spielzeit 4:56

Kommentar

2014 fiel mir eine Melodie im Wartezimmer meines Arztes ein, die ich sofort als Audio-Memo in mein Händi sang. Zuhause, mit Gitarre verfeinert, dachte ich mir, dass es schön wäre, neben "Behördensucht", einen weiteren ironischen Text im Repertoire zu haben, und nahm die gerade verschrie­benen Medi­ka­mente als will­kommenen the­matischen Auf­hänger. Auf Usedom an der Ostsee fand sich kurz darauf genug Muße, den Text zu vollenden. Lediglich die Ausgestaltung der Idee, den Slogan der Arznei­werbung einzubauen, blieb offen. Diese Lücke schloss ich Anfang November 2019.

Akkorde

90 BPM

Strophen:
e,e,G,A - e,e,D,D
e,e,G,A - e,e,G,D

Refrains:
C,G,A,e - C,D,hsus2,hsus2
C,G,A,e - D,H7,e,e

Zwischenspiel:
||:C, Dsus4, G, e, A, C, D, G, D, e :||

©2015-2020, sicpaul alias T.P.Fischer