Songs und Texte von T.Paul Fischer

Drum leb ich schon jetzt
Text & Musik ©September 1980: T.Paul Fischer = SicPaul

Wieviel hab' ich im Leben verpasst,
Weil ich zu Haus so gut behütet,
Wie oft hab' ich vergessen zu seh'n,
Weil ich über Büchern gebrütet.

Wie oft hab' ich zu leben vergessen,
Weil's die Erziehung befahl,
Ein büffelnd Streben, wie besessen,
Spielspaß war keine Wahl.

Immer hieß es:
Wenn du anständig und ordentlich bist,
Dann kommst du hoch hinaus,
Sonst musst du auf der Straße hocken,
Welch' Horror, welch' Graus!
Kein Glück ist dir im Leben
Ohne Sicherheit gegeben!
Das sagten sie!

Doch ich konnte nicht glücklich sein,
Als ich so gelebt hab',
Rucksack und Gitarre packte ich ein
Und haute ab.

Mit dem Daumen im Wind trampte ich fort,
Traf so ganz neue Leute,
Kam an manch' ganz neuen Ort,
Vieles, was mich erfreute.

Mit Musik verdiente ich mir mein Geld,
Hatte sehr viel Spaß,
Genoss die Menge, der mein Spiel'n gefällt,
Die um mich saß.

Und and're sagten:
Uns kannst du gar nichts vermitteln
Mit diesem Gebrüll,
Geh' erst 'mal richtig arbeiten,
Bis dahin sei bloß still!
Meinst du, dass du, wenn du vierzig bist
Auch noch leben kannst von diesem Mist?

Mach besser das, was man dir rät,
Für dein Glück ist's noch nicht zu spät!
Für was für'n Glück?

Glück kann ich nur dann empfinden,
Wenn der Mensch lacht,
Und will ich deren Gesicht ergründen,
Dann wird es Nacht.

Unter Glück hatte ich mir vorgestellt.,
Dass man frei sein kann,
Und nicht vom Gesellschafts-Zwang gequält
Normativ untertan.

Und seh' ich die Leute mit ihrem Zukunftsdenken,
Die dem Heute kaum noch Beachtung schenken,
Die, die nur nach Wohlstandsmehrung streben
Und dabei vergessen auch jetzt schon zu leben,
Dann wird mir ganz schlecht!

Ganz anders waren die Leut' auf der Straße,
Denn sie lachten viel,
Begeisternd kreativ in einem Maße,
Wie es mir gefiel.

Und alle gehörten wir zusammen,
Die große Family,
Man konnte überall herstammen,
Herkunft störte nie.

Und was ich dabei am schönsten fand,
Einfach Mensch zu sein,
Ohne Rücksicht auf den sozialen Stand,
Sich mit allen zu freu'n.

Zu den and'ren sag,' ich:
Mir könnt ich gar nichts vormachen,
Mit eurem Geschwätz,
Ich will mein Leben leben,
Und zwar schon jetzt!
Wollt ihr warten, bis ihr Rentner seid,
Bis ihr endlich zu leben seid bereit?
Viel zu kurz ist die Lebensfrist,
Als dass man sie zu nutzen vergisst!

D'rum leb' ich schon jetzt!
D'rum leb' ich schon jetzt.


Änderungen

Gegenüber der Version im Textbuch gibt es einige Änderungen, wobei sich nicht mehr rekonstruieren läßt, ob ich mich beim Tippen des Textbuchs nicht richtig erinnert hatte oder beim Spielen nachgebessert wurde. Womöglich beides.

©2015-2022 T.Paul Fischer